Medianight Presseerklärung Pudelklub


Medianight Presseerklärung Pudelklub

Image Stellungnahme des Pudel Klubs zur Media Night auf der gemeinsamen Pressekonferenz von Park Fiction, Pudelclub, Hafenstrasse, Roter Flora und Café Amphore
Am 23.4.2001 fand die sogenannte Media Night in den Riverkasematten statt. Die Ereignisse dieser Nacht und die Berichterstattung der Presse werfen viele Fragen für uns auf.“Wir“ sind in diesem Fall die Veranstalter des Golden Pudel Klubs, der direkt neben den Kasematten liegt. Wir gründeten den Club vor ca. 6 Jahren , zuvor war er ein nahezu stillgelegtes Wochenendcafe in dem nichts mehr stattfand, auch die Treppe davor war quasi verwaist. In sehr kurzer Zeit wurde der „Golden Pudel Klub“ zum funktionierenden Treff für eine spezielle Schicht von Künstlern und Musikern aus HH und ganz Deutschland, und lieferte den Prototypen für einen Klub ab, der an diversen Orten im Land kopiert wurde, Die Haltung der Künstler die bei uns austellen, spielen oder sich treffen ist eine bewusst unkommerzielle, uneingekaufte und dem öffentlichen Kulturbetrieb kritisch gegenüberstehende und grade deswegen ist die von diesen Künstlern hervorgebrachte Kunst „freie Kunst“, avantgardistische Musik, der Boden aus dem die sog. Trends von Morgen hervorgehen.

Der Freiraum „Pudel“ musste von Anfang an für sein Weiterbestehen kämpfen, denn schon nach relativ kurzer Zeit wurden Pläne bekannt, nach denen unser Haus (das letzte alte Fischerhaus an diesem Teil der Elbe) abgerissen werden sollte um die oberere Bebauungslücke zwischen Hafenstrassenhäusern und Fischmarkt sichtfest zu verschließen (es gibt übrigens genügend Beispiele für Hafenstädte in den denen die Strassen vertikal zum Wasser hingebaut werden, um die Sicht auf das Wasser zu lassen, allein in HH gab man sich alle Mühe auch diese letzten Lücken abzudichten). Also sammelten wir Unterschriften, insgesamt über 4000 Stück, die bei einer öffentlichen Sitzung Senator Thomas Mierow übergeben wurden, zusammen mit der Information vom Bezirksamt das der Pudel Klub Bestandsschutz habe (was ungefähr soviel heißt wie: dieses Haus steht so lange bis es abgerissen wird- so die Erklärung des Denkmalschutzamtes).

Von unseren Argumenten beeindruckt bot man uns etwas später einen Tausch an: den Pudel Klub gegen die Kasematten. Wir hatten diverse Begehungen der Kasematten mit einem Herren von der Sprinkenhof und ließen von einem Architekturbüro für teures Geld einen aufwendigen Innenarchitekturplan erstellen, um die Kasematten in den zukünftigen „Golden Pudel Klub“ umbauen zu können. Eine Kopie davon erhielt die Stadt. Wir suchten nach Alternativflächen für das Glas von Glaser Junkel, der einen Teil der Kasematten als Arbeitsfläche hatte. Irgendwann brach die Sprinkenhof einseitig den Kontakt zu uns ab. Wir versuchten diverse Male unseren Mann vor Ort zu erreichen, aber er stellte sich tot. Nach ca. 4 Wochen erreichten wir ihn dann doch und er gab uns die lapidare Information das wir uns nicht länger zu engagieren bräuchten da man die Kasematten jetzt verkaufen wolle. Wann, von wo aus und zu welchen Bedingungen wurde uns nicht mitgeteilt..

Vor kurzem wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt und nicht nur wir sondern ein ganzes Viertel. Die Kasematten sind an Herrn Klaus Martin Kretschmer vergeben worden, in ihnen wird nach Beendigung der Renovierung eine Event- Gastronomie entstehen. Kurz darauf stand bereits der verglaste Aluminium Partypavillon vor den Kasematten und der zum Park Fiction Gelände gehörende Schauermannspark oben drauf war eingezäunt und die Bäume darin abgesägt.

Die Presse beschreibt die Media Night als eine Krawall- Nacht und wir als Anlieger werden von allen Seiten als Randalierer beschimpft. Abgesehn davon das die meisten Anwesenden auf unserer Seite der Absperrung natürlich nicht randaliert haben sondern nur fassungslos das Spektakel auf der anderen Seite der Absperrung verfolgten ist es uns unverständlich wie irgendjemand davon ausgehen kann das wir bei einem derartigen Geschehen ruhig bleiben. Es stellen sich sehr viele Fragen:

1) Wann und wo kam es zur Ausschreibung für die Kasematten? (Wir haben gehört das die Ausschreibung in der „Welt“ angekündigt wurde, muss man Weltleser sein um Ausschreibungstermine mitzubekommen?)

2) Nach was für Kriterien und zu was für Bedingungen wurde Klaus M. Kretschmer als Leibpächter ausgesucht und eingesetzt?

3) Wenn es letztendlich doch um Leibpacht geht, warum wurden wir als zuerst von der Stadt angesprochene nie kontaktiert und gefragt ob wir das Angebot wieder aufnehmen?

4) In Herrn Kretschmers Unterlagen befinden sich unsere Architekturpläne. Wie kommen sie dorthin?

5) Was ist mit den Park Fiction Plänen/ der Fläche auf den Kasematten (wir befürchten eine Komplettkommerzialisierung durch Aussengastronomie seitens Herrn Kretschmers oder seiner Mieter.)

6) Wer bezahlt solche Veranstaltungen wie die Media Night, aus was für Quellen kommt dieses Geld?

7) Wer verfügt eigentlich über einen Polizeieinsatz bei dem Polizisten wie Privattürsteher eingesetzt werden und wie wird ein solcher Einsatz gerechtfertigt?

Dem Vernehmen nach hat allein die Media Night Party 500 000 DM aus der Stadtkasse gekostet, denn das Society Fest wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert. Hinzu kommen die Kosten für den Einsatz von Feuerwehr und Polizei die in die Zigtausende gehen dürften. Anstatt hier als deeskalierend die Möglichkeit des gefakten Flugblattes mit der Einladung an alle Bewohner des Viertels wahrzunehmen und für beispielweise 10 000 DM ein Stadtfest vor den Kasematten zu organisieren, mit Freigetränken und Informationen über Kretschmer, Kasematten und Hamburger Dialog, zog man es vor hinter Absperrgittern ein Fest der gehobenen Klasse zu feiern, das- so darf man wohl annehmen- mit Steuergeldern bezahlt wurde. Ein Teil der Stadt für den wir von 2 Seiten jahrelang gekämpft haben (von Hafenstrassen und von Pudel Seite aus) wurde einfach abgesperrt und annektiert für eine Nobelparty, die Polizei ließ weder die Mitarbeiter noch die Besucher des Pudel über die Hafentreppe in den Laden, gab aber auch nicht die Information raus, das man von hinten hätte rein kommen können.

Es stellt sich die Frage wer hier eigentlich wen provoziert.

Der Fakt das junge Undergroundkünstler und Musiker die Quartiere herrichten in denen sich später die sog. Dotcoms breitmachen ist ja altbekannt (siehe Schanzenviertel, Prentzlauer Berg usw.), das in einem heruntergekommen Viertel mit niedrigen Mieten einfach nur ein paar Jahre gewartet werden muss, bis sich eine interessante, verlockende Infrastruktur, mit Kneipen, Klubs und Galerien gebildet hat, in die dann investiert werden kann um sie auszubeuten bis sie so tot ist wie heute der Hans Albers Platz oder der Fischmarkt. Das also eine Szene wie die unsere den Standort ständig wechseln muss, weil sie sofort mit der Macht des Geldes vertrieben wird wenn sie erst einmal die Grundkultivierungsarbeit erledigt hat. Noch schlimmer ist es allerdings wenn man dann auch noch in aller Öffentlichkeit von der Presse beschimpft wird, als Randalierer der „auch mitfeiern will“. Als neidischer, autonomer Zaungast der nur Zerstörung im Kopf hat.

Warum macht sich niemand die Mühe einer detailierten und unabhängigen Berichterstattung, Was für eine Form von Lobbyismus wird hier betrieben?

Wem gehört eigentlich die Stadt?

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