Park Fiction Presserklärung zu Hamburger Dialog, der Medianight und den Riverkasematten


Park Fiction Presserklärung zu Hamburger Dialog, der Medianight und den Riverkasematten

Image Was für eine Stadt will die Stadt?Am 23.4. akkumulierten verschiedene Ereignisse, die einen Paradigmenwechsel in der Stadt-(Planungs-) Politik in aller Brutalität und Feinheit erkennen lassen. Die Stadt richtete für 500.000 Mark ein Event in Räumen aus, die sie kurz zuvor an jenen Investor verpachtet hatte, welchem sie die Rote Flora für weniger als 400.000 Mark verkauft hat. Das Ereignis gehört in einen weiteren Zusammenhang eingeordnet:

ImagecityDas Medienstadt-Image von Hamburg ist, nicht erst seit dem beschlossenen Wegzug von Universal, angeschlagen. Genau um das Aufpolieren dieses Images ging es beim nationalen NewMedia Kongress „hamburger dialog“ und insbesondere in der Media-Night am Hafenrand.

Image – das klingt weich und unschuldig, doch davon hängt in postmodernen Zeiten mehr ab als noch vor Kurzem: denn Hamburg will die HafenCity verkaufen, und durch deren Verkauf die Hafenerweiterung in Altenwerder finanzieren, die 3 Milliarden Mark kostet. Das ist viel Geld, und das lässt sich durch Grundstücksverkauf nur dann einspielen, wenn man den Unternehmen überhaupt keine Auflagen macht – und ein irre gutes Image hat. Image ist der ausschlaggebende Faktor, der Rohstoff, wenn man heute irgendwas mit Profit verkaufen will, besonders an die für die HafenCity anvisierten Unternehmen aus dem New Media und New Economy Bereich.

Damit sind die Hauptfaktoren benannt:

Stadt(-Planung) für Unternehmen…

…NewMedia, Hafen, Image.

In der Media-Night am Hafenrand kamen all diese Ingredienzien zusammen. Eine besondere Rolle wächst in diesem Image-City-Spiel den (Sub-)Kulturen und der Kunst zu. Das ist für Park Fiction deshalb entscheidend, weil es nicht nur das von AnwohnerInnen initiierte Stadtplanungsprojekt mit der bisher grössten und gründlichsten Beteiligung ist, sondern auch das meistbesprochene kulturbehördengeförderte Kunst-im-öffentlichen-Raum Projekt aus den 90erjahren. Park Fiction stellt von Beginn an ganz ausdrücklich die Hegemonie staatlicher und wirtschaftlicher Kräfte über den öffentlichen Raum in Frage. Dafür wurden ungewöhnliche Planungsinstrumente entwickelt, denn es geht uns darum, dass diejenigen, die sonst von Planungsprozessen ausgeschlossen sind, von StadtkonsumentInnen zu StadtproduzentInnen werden.

Die Ergebnisse wurden in mehreren Planungsschritten zusammengefasst, das Dach der Turnhalle, die neben dem Pudelklub gebaut wird, ist Teil dieser Park-Pläne, die wiederholt im Stadtteil zur Diskussion gestellt und im Wienerkunstverein, in der Shedhalle Zürich, in Berlin und zur Zeit in der Cittadellarte in Italien ausgestellt wurden. Das Projekt ist auf der Zielgeraden, und Park Fiction, der Antonipark, steht kurz vor der Realisierung, ein Landschaftsplanungsbüro unseres Vertrauens ist mit der Planung beauftragt worden. Unser Planungsgebiet umfasst folgende Bereiche: Kirchgarten um die St. Pauli-Kirche, Pinnasberg zwischen den Pfarrhäusern, Turnhallendach, das Gebiet der St. Pauli Hafenstrasse und bis zur Strasse St. Pauli Fischmarkt, Teile der Bernhard-Nocht- und der Antonistrasse („Antoniplatz“), und der auf den Kasematten gelegene Schauermannspark.

Dabei operiert die Park Fiction Gruppe mit einem emanzipatorischen Kunstbegriff, der das Recht auf Gestaltung des öffentlichen Raums, hier des Antoni-Parks, auf alle Beteiligten an diesem Planungsprozess zu erweitern sucht.

In der Media-Night und rund um die Kasematten, wird der Kunst und der (Sub-)Kultur ein ganz anderer Ort zugewiesen:

Die Verwendung von Kultur am 23. April 2001

Ein Graffiti, am Dock aufgehängt, zeigt Hamburg als Medienstadt connected mit Partnerstädten, das ganze durchsetzt mit betulichen Hamburgensien, der HafenCity, dem unvermeidlichen Leuchtturm und der „Cap San Diego als Treffpunkt der Online-Kapitäne“ (webseite „hamburger dialog“). Graffiti, eine ansonsten von der Stadt kriminalisierte Kunstform, wird zur Werbung für den (Medien-) Standort Hamburg verwendet und BürgerInnen von der Polizei, die alltags dieselben Sprüher verfolgt, davon abgehalten, sich die Show anzusehen; das Fest selbst ist mit fragwürdigen Videoinstallationen dekoriert, aus subkulturellen Orten hervorgegangene Dj’s rollen den Soundteppich für Geschäftsgespräche aus; der ärmste Stadtteil der westlichen BRD, durch soziale, politische und künstlerische Bewegungen bewohnbar gehalten, wird zur authentischen Elendstapete für Wohlverdienende; der auf St.Pauli ohnehin knappe öffentliche Raum wird abgesperrt, mit öffentlichen Mitteln wird einem Unternehmer unter die Arme gegriffen bei dem Versuch, den öffentlichen Raum zu privatisieren.

Wem gehört die Stadt?

Die Brutalität, mit der die Media-Night durchgeprügelt wurde, zeigt in aller Schärfe, welches Gewicht der Senat der Imagepolitik im Dienste der Unternehmen zumisst. Die Ereignisse zeigen, wie weit die Stadt zur Durchsetzung dieser Ziele zu gehen bereit ist: Bürgerrechte wurden durch S.O.G. ausser Kraft gesetzt, die Bewegungsfreiheit der AnwohnerInnen massiv beschränkt, zwei Lokale abgesperrt, Anwohnern wurde der Zugang zur eigenen Wohnung verwehrt, als Sie sich damit nicht abfinden wollten, wurden sie verprügelt und kriminalisiert, schwere Verletzungen der BürgerInnen, die dagegen protestierten, wurden in Kauf genommen.

Kunst ist nicht unschuldig

Schwer zu sagen ist, wer hier wessen trojanisches Pferd ist, ob die Politik das Spiel des Investors spielt oder der Investor vor den Karren der Politik alten Stils gespannt wird. Ob der Investor aus Boshaftigkeit seine Übergriffe tätigt oder aus Naivität, ob Flora und Kasematten bewusst an denselben Investor gingen oder zufällig. Neu ist das Zusammenspiel aus traditionell-autoritärer Politik einerseits und Unternehmer mit Sinn für die geldmässig verwertbare geschichtliche Aufladung durch (sub-)kulturelle und soziale Bewegungen andererseits. Eine gefährliche Konstellation, die nicht nur durch den Rückzug der Politik aus der Verantwortung gekennzeichnet ist, mit einem Investorenteam, dass wir an dieser Stelle für ungeeignet, weil, wie die Erfahrung lehrt, gefährlich, halten.

KulturproduzentInnen nehmen in dieser Situation eine Schlüsselrolle ein und müssen sich entscheiden, ob sie sich in die Imagepolitik der Stadt einspannen lassen, und ob sie es hinnehmen, dass Kollegen, die Investoreninteressen im Weg sind, persönlich angegriffen werden und dass die Kunst und Subkulturen auf die Funktion des prestigesteigernden Trockenwohnens von Immobilien reduziert wird.

Park Fiction

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